Der plötzliche Herztod: Ist Sport wirklich Mord?

Leo Köpp ist Leichtathlet und das mit vollem Einsatz. Er wohnt in einem Sportinternat, trainiert jeden Tag. Er bringt seinen Körper an seine Grenzen. Und das hat Folgen.

Von Ragnar Sieradzinski

Bei sogenannten Athletenherzen steigt die Gefahr von Herzrhythmusstörungen. Foto: pixabay.com

Wenn bei dem 20-jährigen morgens um 5 Uhr der Wecker klingelt, ist schon klar, dass es kurz darauf nach draußen geht. Jeden Morgen 15 Kilometer gehen. Danach geht es in die Uni. Nachmittags steht wieder Training an. Abends wird getanzt oder er trifft sich mit Freunden.

Für Leo ist dieses Leben genau das Richtige. Er geht voll darin auf; das frühe Aufstehen ist für ihn kein Problem. Doch diese dauerhafte körperliche Belastung könnte ernsthafte Folgen haben. Denn macht man langfristig so viel Sport, vergrößert sich das Herz.

In extremen Fällen können sogenannte Athletenherzen doppelt so groß werden wie normale Herzen. Dann besteht das Risiko, dass die Herzkranzgefäße zu klein sind, um das Herz noch mit ausreichend Sauerstoff zu versorgen. Das fanden Mediziner bereits vor einigen Jahren heraus. Das Herz kann vernarben und so schließlich aus dem Takt geraten. Die Gefahr von Herzrhythmusstörungen steigt.

Im Interview mit uns erzählt Leo Köpp, dass er seinen extremen Lebensstil nur eine begrenzte Zeit lang führen könne: “Der Spruch ‘Sport ist Mord’ trifft bei mir leider zu.” Seine Ärzte hätten ihn bereits gewarnt, dass er irgendwann mal etwas herunterfahren müsse, um sein Herz nicht dauerhaft zu schädigen.

Ist Sport wirklich gefährlich?

Laut Deutscher Herzstiftung sterben jedes Jahr mehrere hundert Menschen in Deutschland beim Sport an einem plötzlichen Herztod. Doch das sei keineswegs ein Grund, keinen Sport zu treiben. Denn wer Ausdauersport in Maßen betreibt und sich vom Arzt regelmäßig untersuchen lässt, lebe so deutlich gesünder und sicherer als Menschen, die gar keinen Sport betreiben.

Von einem vergrößerten Herzen sind nicht alle Leistungssportler betroffen: Die Veränderung hängt immer stark von Dauer, Intensität und Art des Trainings ab. Am häufigsten entstehen Sportlerherzen bei typischem Ausdauertraining. Kraftsportler sind in der Regel weniger betroffen.

In wie weit ein Sportlerherz allein wirklich gefährlich ist, ist unter Medizinern umstritten. Ein vergrößertes Herz an sich wird so als funktionelle Anpassung betrachtet und hat per se keine krankhafte Bedeutung. Zudem sei der Effekt deutlich seltener zu beobachten als angenommen. Ein gesundheitliches Risiko entsteht oft erst in Kombination mit erblich bedingter Veranlagung oder bereits bestehenden Krankheiten.

Das Sportlerherz wird auch wieder kleiner

Ein vergrößertes Herz begleitet den Sportler auch nicht sein ganzes Leben: Wird nicht mehr regelmäßig viel Sport getrieben, bildet sich das Herz wieder zurück. Wer also angemessen medizinische Untersuchungen macht, sollte das Risiko eines plötzlichen Herztodes bestmöglich minimieren können.

Wichtig ist laut Deutscher Herzstiftung aber in jedem Fall, übertriebenen Ehrgeiz zu vermeiden und sich nicht zu überanstrengen. Der klassische Schlussspurt sowie Sport während oder direkt nach einem Infekt sind unbedingt zu vermeiden. Kommt es beim Sport zu einem Druckgefühl, Schmerzen und einer Enge im Brustkorb, sollte man das ärztlich abklären lassen.