Chronik der Prothese

Prothesen sollen Menschen mit starken Beeinträchtigungen helfen, wieder etwas Normalität in ihr Leben zu bringen. Dabei sind Prothesen keineswegs eine neue Erfindung. Schon vor Christi Geburt versuchten die Menschen mit Prothesen verloren gegangene Körperteile kosmetisch und funktional zu ersetzen.

Von Phillip Bedruna

Die Anfänge


Das ist Kapitän Holzbein. Aufgrund glorreicher Beutezüge durch die Karibik ist er leider auf ein Holzbein und einen Haken als Handersatz angewiesen.

Die älteste bekannte Prothese stammt aus der Zeit um 950 bis 710 v. Chr. Sie imitierte einen großen Zeh und wurde bei einer Mumie gefunden. Nach mehreren Experimenten konnte festgestellt werden, dass diese Prothese tatsächlich funktionell gewesen sein muss. Sie kann heutzutage im Ägyptischen Museum in Kairo besichtigt werden.

Allerdings war bei Kapitän Holzbein eine größere Prothese von Nöten. Somit musste unser Pirat auf ein Holzbein zurückgreifen. Denn erst die beiden Weltkriege konnten den Prothesenbauern zu einem regelrechten Boom verhelfen. Durch die zahlreichen verletzten und verwundeten Soldaten stieg der Bedarf an Prothesen massiv an. Unter anderem bediente die “Orthopädische Industrie GmbH” aus Berlin, die heute unter dem Namen “Otto Bock“ bekannt ist, diesen neu entstandenen Bedarf. So entstanden unter anderem Prothesen, die zunächst rein kosmetischer Natur waren. Zwar stellten sie auch zu einem gewissen Maße Körperfunktionen wieder her, jedoch konnte der vorherige Zustand nie zufriedenstellend wiederhergestellt werden.

Ein Patient berichtet über seine Erfahrungen mit Beinprothesen.

Die ersten Fortschritte

Kapitän Holzbein freut sich über ein Upgrade.

Doch zum Glück stand die Forschung nicht still. So ist es mittlerweile möglich, mit einer Beinprothese wieder aktiv Leistungssport treiben zu können. Kapitän Holzbein kann sich also von seinem namensgebenden Holzbein trennen.  Mit dieser Prothese könnte er sogar wieder sprinten statt hinken.

Funktionalität statt Kosmetik

Kapitän Holzbein kann auch wieder zugreifen ohne sein Gegenüber zu verletzen.

Doch auch seine Hakenhand stellte sich im Alltag als einigermaßen hinderlich heraus. Auch hier existieren mittlerweile Lösungen, die sogar mit dem zentralen Nervensystem des Körpers kommunizieren können, um die natürlichen Bewegungen der Hand so gut wie möglich zu imitieren. Des Weiteren bestehen diese Prothesen nicht wie gehabt aus Holz, Leder oder Glas, sondern aus PVC. Durch diesen Umstand wirken die Prothesen auch deutlich menschenähnlicher.

Also Weg mit dem Haken!

Der Otto Bock Technik-Chef erklärt die verschiedenen Steuerungsmöglichkeiten für Prothesen.

Wiederherstellung verlorener Sinne

Endlich kann Kapitän Holzbein auch wieder rückwärts einparken.

Der nächste Schritt ist die vollständige Wiederherstellung der verloren gegangenen Sinne.  Es existieren zwar bereits Sehhilfen, die erblindeten Menschen die Fähigkeit zurückgeben, Umrisse sowie Licht und Schatten erkennen zu können. Aber die meisten Augenprothesen dienen immer noch rein kosmetischen Zwecken. Doch von Kapitän Holzbeins Cyberaugen sind Prothesenhersteller noch etwas entfernt.

Abschließende Worte des Otto Bock Technik-Chefs.

Text mit Material von:

  • Otto Bock
  • Ägyptisches Museum Kairo
  • Das Ärzteblatt
  • Handelsblatt

Die Grafiken entstanden in Zusammenarbeit mit Philipp Portée.

Filmbeiträge:

  • Redaktion: Leonie Ehresmann
  • Kamera: Charlotte Bauer, Jaqueline Kaldewey
  • Ton: Lukas Haas
  • Schnitt: Lukas Haas
  • Fotos: Tobias Haas